Mittwoch, 19. November 2014

Die Lütticher Straße | 6. Teil | Die Franzosenzeit

Jede Besatzungsmacht hat dort, wo sie einmarschierte und für eine Weile geblieben ist, ihre Spuren hinterlassen.
 

Nachdem ein erster Versuch, den Aachener Raum zu besetzen, im Dezember 1792 durch den Widerstand österreichischer Truppen bei Aldenhoven gescheitert ist, konnten sich die Truppen Napoleons dann von 1794 bis 1814 im gesamten Rheinland festsetzen.

Die Zeit des französischen Kaiserreichs in Aachen

Viel ist nicht übriggeblieben von dem, was die napoleonischen Besatzer an Spuren hinterlassen haben in der Stadt. Der Aachener Karneval, als Folge des subversiven Widerstand gegen die Franzosen, ist noch das herausragendste Merkmal ihrer Anwesenheit vor nunmehr 200 Jahren.

Die Verhohnepiepelung der Froschfresser durch die Aachener Bürger

Ansonsten? Trotz der gerade mal zwanzigjährigen Zeit der Besatzung hat ein umfangreiches Repertoire des frankophonen Sprachschatzes in der Alltagssprache der Aachener einen festen Platz beibehalten, die Stadt wurde etwas sauberer und die gehobene Kaffeehauskultur wurde eingeführt.


Das war´s dann auch schon fast...

Auf der Lütticher Straße gibt es auf dem Abschnitt zwischen Klemensstraße und dem Kreuzungsbereich Amsterdamer Ring/Hohenstaufenallee noch den Rest eines napoleonischen Sommerpfades zu bewundern, dessen ursprüngliche Herkunft und Bedeutung nur den wenigsten hier bekannt ist.



Schon lange vor, während und nach der Franzosenzeit wurde die Lütticher Straße immer wieder umgestaltet und damals wie heute kam man auf Aachener Seite eher selten effizient "zu Potte".


Während auf der limburgischen Seite (das heutige Staatsgebiet von Belgien existierte zu jener Zeit noch nicht) die Gestaltung der Straße stets relativ zügig voran schritt, sorgten erst die französischen Besatzer (wohl auch aus militär-strategischen Gründen) dafür, daß auch auf deutscher Seite die Arbeiten voran gingen und die Straße stadtauswärts einen Chaussee-Charakter bekam. 

Diese Chausseen wurden in Aachen auch Steinwege genannt und führten entweder auf einer oder auf beiden Seiten parallel dazu sogenannte Sommerwege.
"Auf ihrer Seite hatten die Limburgischen Stände längst mit den Arbeiten begonnen. Für den 18 Fuß (etwa 5,25 Meter) breiten Steinweg war eine Pflasterung  mit in Sandbettung versetzten Steinen von 4 bis 5 Zoll Oberfläche vorgeschrieben. Randsteine trennten die Fahrbahn von den beiderseitigen Sommerwegen mit je 12 Fuß Breite , ..." (Quelle: Geschichte der Lütticher Straße als pdf.Dokument)

Diese Sommerwege verliefen neben den Steinwegen und waren i.d.R. nur leicht befestigt und dienten als Reit- oder Fußwege. Die Pferdehufe durften nicht beschlagen sein. In der Winterzeit waren die Sommerwege oft nicht nutzbar, wurden aber im Laufe der Zeit beidseitig mit Bäumen bepflanzt, die einigen Schutz vor den
Unbilden der Natur boten.

Näheres ist unter dem Stichwort ´Bautechnisches´ der Wiki zu entnehmen.

Die wenigen vorhandenen Reste früherer Sommerwege in Deutschland wurden im letzten Drittel des XX-Jahrhunderts suk­zes­si­ve als mehr oder weniger komfortable Fahrradwege ausgewiesen.
 "Sommerwege werden beim Straßenbau freigehalten, um Kosten für das Oberbaumaterial zu sparen. Sie können bei trockenem Wetter von Fußgängern, leichten Fuhrwerken, robusten Kraftfahrzeugen und Fahrrädern sowie von Vieh passiert werden. ... Neben der Straße angelegte Sommerwege sind heute oft asphaltiert und als Fuß- oder Radwege ausgewiesen." (Quelle. ebenda)


Da mittlerweile von den Ökospinnern im Rat der Stadt Aachen das Fahren mit dem Fahrrad auf den Bürgersteigen häufig rechtlich erlaubt worden ist, wird dieser an und für sich recht kommode Pfad nur noch von wenigen Bürgerinnen und Bürgern genutzt. Vornehmlich zum vollscheißen mit Hundekacke.

Demnächst ist ohnehin Schluss mit Lustwandeln unter Bäumen und Hunde kacken lassen an dieser Stelle.

Das grüne Ungeheuer von Aachen ist zwar ab Januar 2015 Geschichte aber an ihre 16-jährigen Schreckensherrschaft als quasi unqualifizierte Planungsdezernentin in dieser geschundenen Stadt werden wir noch auf lange Zeit erinnert werden ...

Hier ihre - se Deus quiser! - letzten Nacken-Schläge

Lütticher Straße: Stadt muss überhastete Aktion stoppen


Kahlschlag an der Lütticher Straße: 58 Bäume müssen weg

 "Diesen Alleencharakter wird die Lütticher Straße – vorübergehend – verlieren. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts werden 58 Bäume krankheitsbedingt gefällt. Doch gut ein Jahr später sollen 69 neu gepflanzt werden. Das Aachener Baumschutzbündnis ist mit dieser Aktion einverstanden." (Quelle: ebenda)

Das wird auf Jahre weh tun … 
 
Das intrigante HickHack der Stadt gegen die Anwohner/-innen der Straße hatte schon vor Jahren begonnen, wie ich diesem Zufallsfund im Netz entnehmen konnte wir wollen das nicht


Eine Sammlung meiner Lieblingsbilder von diesem Abschnitt

Lütticher Straße Ecke Klemensstraße Richtung Belgien linksseitig

Lütticher Straße Ecke Klemensstraße Richtung Belgien linksseitig mit Stillleben

Holzpöller als Schutz gegen Zuparken

Lütticher Straße Richtung Aachen Zentrum

Verschwundene Telefonzelle | Vorarbeiten zur Umgestaltung des 2. Abschnitt

Verschwundene Telefonzelle | Graffiti | Sommerweg

Der letzte schöne Herbst an dieser Stelle


Stumpf eines Strommast für die frühere Tram

Tram Strommast


Genug des traurigen Gemecker nun ... (einstweilen)
O o o o o 
  O o o o o 
    O o o o o   

Es gibt gerade auf diesem Abschnitt eine Reihe von sehr schönen Gebäuden, die größtenteils unter Denkmalschutz stehen.

Eines dieser Häuser möchte ich hier vorstellen.

Die Haubenschule (Außenstelle der Waldschule Breuer) in der Lütticher Straße 139 wurde von vielen Anwohnern auch der „Nonnenhut“ genannt.



Das nach Plänen von Krämer und Schultz im Jahre 1905 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz und war zeitweilig eine Dependance des Waldschulheim Breuer (Achtung! Der Name der Bösen taucht in diesem Zeitungsartikel mal wieder auf) vom Brüsseler Ring (wo anscheinend der Fluch der Bösen nachwirkt Text und Bild).

Während man am Brüsseler Ring das Abitur machen konnte, konnte man an der Lütticher Straße 139 die Mittleren Reife erlangen.

Heute befinden sich hier die renommierten Zahnarztpraxen von Dr. med. Walter Telöken und Dr. med. dent. Boris Geib.



Ich habe etliche Anwohner /-innen der Straße und Umgebung getroffen, die hier noch bis in die jüngere Zeit zur Schule gegangen sind.

Ein Artikel über die ehemalige städtische Realschule in der Lütticher Straße 139, der ebenfalls einer kleinen Liebeserklärung an diese Straße gleichkommt, von Uwe Reuters, dem Mann, der das ´Futter für die Aachener Ohren´ erfand.

 „Nach dem anstrengenden Sportunterricht haben wir uns dann auf dem kurzen Rückweg zur Schule im Lebensmittelgeschäft Lorenz an der Lütticher Straße mit Getränken und Süßigkeiten versorgt.“
Quelle: Die Haubenschule von Uwe Reuters


Von der einstigen Pracht des Lebensmittelgeschäfts Lorenz im ´Haus Victoria´ schräg gegenüber des ´Nonnenhut´ ist nicht mehr viel übrig geblieben.


Bis etwa 2008 befand sich hier der renommierte Getränkeliefer-Service von KACHOURI.


O o o o o
  O o o o o
    O o o o o 

Bei der Gelegenheit und an dieser Stelle möchte ich auf die von Frau Uschi Ronnenberg betriebene Aachener Heimat-Seite Unser Aachen | Die Webseite zum mitschreiben hinweisen.

Worum es da geht? Um Geschichten und Ameröllerche, die nicht verloren gehen dürfen. Von Aachenern für Aachener und Aachen-Liebhaber.

Eine wahre Gold- und Fundgrube für die Freunde von Aachener Geschichten zur Geschichte dieser Stadt …!!!

O o o o o
  O o o o o 
    O o o o o 

Ich bedanke mich mal wieder bei allen, die mir mit Tipps und Informationen weiter geholfen haben und grüße das Mariellchen visavis von der Ex-Toeller-Tanke, für die ich mich immer noch mühsam aber stetig an das ´Bonbon-Lädchen´ abarbeite ... :-).
O o o o o

editorische Notizen | Trivia und Varia 

Zweckdienliche Hinweise zu allem und jenem sind per Kommentarfunktion (auch anonym) oder Kontaktformular (unten rechts) gerne gesehen.

Gerne auch zu diesem steinernen Kreuz an der Außenmauer des jüdischen Friedhof Ecke an der Ecke Körnerstraße ...



... damit ich das endlich mal vom Tisch bekomme.

´Stillleben´ mit drei l war mir - als einer der die deutsche Sprache-Kultur hoch schätzt und pflegt -  bis heute neu. Sachen giebt´s ... :-)

Kommentare:

  1. <3 lichen Dank, für all die Mühe der Recherche! Das Stillleben erheiterte ;-).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke Ihnen für das Kompliment und Sie werden staunen, welche Mühe ich mir bei der Recherche zu meinem nächsten Artikel zur Lütticher Straße gemacht habe, der in den nächsten Tagen erscheinen wird. Da staune ich sogar selber drüber ... :-))).

      Löschen