Samstag, 7. Februar 2015

Lütticher Straße | 8. Teil | 1915 bis 1945 Emmichstraße

Emmichstraße??? Ja! Richtig gelesen …! Emmichstraße!!!

So wurde die Lütticher Straße zwischen 1915 bis 1945 im Abschnittsbereich von der Schanz bis hin zum Amsterdamer Ring genannt, so stand es auf alten Briefbögen und in historischen Adressbüchern.


Der Herr Kohnen Senior von der Teppich-Reinigung Kohnen in der Lütticher Straße 3A ist einer der wenigen noch lebenden Zeitgenossen, der sich daran erinnern konnte, daß die Straße mal eine Zeitlang Emmichstraße hieß. Seit 1929 betreibt dieser  Familienbetrieb mittlerweile in der vierten Generation sein Geschäft auf der Straße.

Manche Bewohnerinnen und Bewohner hatten zwar davon gehört, - aussagekräftige Erklärungen hierfür konnte mir für die Benennung in Emmichstraße niemand geben.

Ich hab eine ganze Weile gebraucht, herauszufinden, wer dieser Emmich gewesen und weshalb die Straße nach ihm benannt worden war. 

Albert Theodor Otto von Emmich war ein General der Infanterie  des Ersten Weltkriegs und maßgeblich an der Erstürmung, Besetzung und  Eroberung der Stadt Lüttich bzw. die die Stadt umgebenden Forts beteiligt.

Emmich, Albert Theodor Otto von, * 4.8.1848 Minden, + 22.12.1915 Hannover, Militär.

General der Infanterie. Emmich trat 1866 ins Heer ein und nahm am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Nach verschiedenen Beförderungen wurde er 1909 General der Infanterie und Kommandierender General des X. Armeekorps (Hannover). 1912 wurde er geadelt. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges eroberten seine Truppen am 7.8.1914 die Festung Lüttich.

General von Emmich

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Zu Beginn des Ersten Weltkriegs führte Emmichs Armeekorps am 4. August 1914 (an seinem 66. Geburtstag) u.a. von Aachen aus, die erste größere Aktion des Krieges durch, nämlich die Eroberung von Lüttich, wodurch dem nachrückenden deutschen Heer der Weg nach Frankreich freigemacht werden sollte. Dafür wurde ihm als erstem deutschen Offizier während des Krieges der Orden Pour le Mérite verliehen.



Während - im zu jener Zeit typischen deutschen Sprach-Duktus - in dieser an maßloser Überheblichkeit kaum zu überbietenden Eloge ´Unser Emmich´ an den Herrn General eingangs von den Verdiensten ...
„ ... eines unserer populärsten Führer in diesem Kriege, des Generals der Infanterie Exzellenz von Emmich, dem wir das glückverheißende Präludium von Lüttich verdanken ...“ (Quelle)

… die Rede ist, stellte sich die wahre Situation an der Maas in Lüttich zeitweilig gänzlich anders dar.
 

Die deutsche Heeresführung des I. Weltkrieges hatte die Kampfkraft der von ihnen so genannten belgischen „Praliné-Soldaten“ gewaltig unterschätzt und konnte Lüttich nur unter massiven Verlusten einnehmen. Im Detail wiederum nachzulesen hier:  

Eroberung von Lüttich im Jahre 1914




Schützenlinie belgischer Infanterie bei Herstal

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Wer sich in dem oben genannten Sprach-Duktus mal so richtig suhlen möchte, dem stelle ich die Lektüre des Kapitels ´Lüttich im Sturm genommen´ anheim.

Das ist ganz starker Tobak und ein Fall für mehrere Aspirin …
 


Im Jahre 1915 wurde der Abschnitt von der Schanz bis hin zum Amsterdamer Ring dann nach diesem General Emmich benannt.


Während es heute deutschlandweit noch immer viele Städte und Ortschaften gibt, die eine Emichstraße vorzuweisen haben, wurde in Aachen die Rückbenennung in Lütticher Straße ziemlich zeitnah 1945 kurz nach Kriegsende durchgeführt.

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Es gibt noch einige weitere Quellen im Internet zu dem damaligen Namen der Straße:

Der jüdische Friedhof der Stadt bestand ab 1822 an der Lütticher Straße, der früheren Emmichstraße. Da ein eigenes Begräbnisgelände fehlte, ...“ aus
 

Am 28.6.1939 zogen Antonie und David Kaufmann nach Aachen. Sie waren dort bis zur Deportation 1942 in der Emmichstraße gemeldet, heute ist das wieder die Lütticher Straße.“ aus
 


Sehr viel Interessantes zu den letzten Kriegstagen im September/Oktober 1944 rund um die Lütticher Straße kann man dem PDF-Dokument


des Bernhard Poll entnehmen.
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editorische Notizen | Varia und Trivia

Diesen Artikel zur Emmichstraße wollte ich schon seit geraumer Zeit vom Tisch haben. Nach einem sehr nettem und ergiebigen Interview mit vier jungen Herren vom Corps Montania, wo es u.a. auch um diese Fußnote der Geschichte zur Lütticher Straße ging, habe ich das soeben mal erledigt.
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An dieser Stelle möchte ich eine Zusammenstellung aller Artikel zum Thema anbringen:


Die Lütticher Straße | Von der Schanz bis Jüdischen Friedhof | Teil 1

Information über einen Nachtrag zur Lütticher Straße | Teil 1

Die Lütticher Straße | 2. Teil
 
Die Lütticher Straße | 3. Teil

Die Lütticher Straße | 4. Teil 

Die Lütticher Straße | 5. Teil | Bei Mimi

Die Lütticher Straße | 6. Teil | Die Franzosenzeit 

Lütticher Straße | 7. Teil | Kaffee & Tee Jansen 

Kaffee & Tee Jansen | Noch ein Nachschlag ...

Die Lütticher Straße | Bei Mimi | Nachtrag zum Teil 5 

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Diesen Artikel werde ich vermutlich in den nächsten Tagen auch auf meinem zweiten Blog

Aachen | Tanos Vintage Lounge ... 

einstellen, wo das ganze Thema eigentlich auch rein gehört hätte.

Kommentare:

  1. Ich bin beim Surfen durch das Netz auf den Begriff "Tanorexie" gestoßen und musste an dich denken. Wäre das ein Thema für dich? "Aachen, die Hauptstadt der Tanorexie" o.s.ä.?

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    1. "Tanorexie" gleich Bräunungssucht?! Das war mir bislang nicht bekannt... :-). In Aachen wäre diese Manie auch ein schwieriges Unterfangen.

      Es gibt eine portugiesische Pferderasse, eine Damenhandtasche, eine Togruta-Jedi, eine frühere IKEA-Leuchte, einen Stamm der Pueblo-Indianer, einen Gorilla im Zoo von Stuttgart, die alle meine Namen tragen.

      Niemand hat mich je gefragt, ob ...

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    2. Zumindest könnte man auch in Aachen eine "indoor tanning dependency" entwickeln und pflegen ... :o)

      Die anderen Elemente sind ebenfalls interessant. Man könnte sie alle in einer einzigen Kurzgeschichte unterbringen. Der Indianer knipst in seinem Wigwam die IKEA-Lampe aus und reitet auf seinem Pferd in den Stuttgarter Zoo, wo er im Affenhaus vor dem Gorillakäfig Ahsoka Tano trifft, der die Handtasche gestohlen wurde. Und so beginnt das Abenteuer ...

      Überhaupt: Der Affe und das Pferd, Stuttgart - da werden alte TV-Erinnerungen aus der Kindheit geweckt.

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